Tanztheaterstück: Wo beginnt und wo endet unsere Freiheit?

von Dettmar Fischerm / 30. JANUAR 2018 UM 11:32 UHR

Mit den Mittel des modernen Tanztheaters wird  im Stück „Durch die Wand“ die Persönlichkeitsfindung einer jungen Frau dargestellt. Das Tanztheatermobil wat zu Gast im Carolus-Magnus-Gymnasium. Foto: Dettmar Fischer

ÜBACH-PALENBERG „Nichts spricht dagegen, dass eine alte Frau auf einen Baum klettert.“ Dieser Satz aus dem Theaterstück „Durch die Wand“ ließ erahnen, worum es in der Aufführung des Aachener Tanztheatermobil im PZ Übach-Palenberg ging: Um das, was frau darf, soll und, was sie, wenn sie denn will, tatsächlich kann.

Dass eine alte Frau versucht, auf einen Baum zu klettern, erlebten die Oberstufenschüler des Carolus-Magnus-Gymnasiums und der Willy-Brandt-Gesamtschule dargestellt mit den Mittel des modernen Tanztheaters. Das Aachener Tanztheatermobil hatte „Durch die Wand“ im Ludwig-Forum in Aachen uraufgeführt.

Es handelt sich um ein Projekt, das vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW gefördert und an weiterführenden Schulen angeboten wird. Jugendliche mit und ohne Flucht- und Migrationshintergrund sehen gemeinsam die Tanzdarbietung, diskutieren und vertiefen die Problematik des Stückes, so das geförderte Konzept.

Tücher trennen und verbinden

Yorgos Theodoridis vom Verein CulturBazar ist der Kopf hinter dem Projekt. Ein professionelles Team hat die Tanztheateraufführung unter seiner Regie realisiert. Es zeigt mit den Mitteln von Tanz und Schauspiel, wie eine junge Frau sich auf die Suche nach ihrer Persönlichkeit macht. Im tänzerischen Dialog der jungen mit der alten Frau verläuft diese Suche. Die junge Frau findet vermeintlich Halt in religiös-konservativen Strukturen. Sie benutzt Schleier als Zeichen der Andersartigkeit. Tücher setzte das Ensemble in unterschiedlichen Darstellungen ein, eben als Schleier sowie als verbindendes oder bindendes Band.

Den Tänzerinnen gelang es, eine Intensität zu erzeugen, die die Schüler auch nach sechs Schulstunden noch packte. Die Mischung aus Schauspiel und Tanz mit nur wenigen Requisiten war sicherlich auch für die Schüler, die sich in Theater AGs erproben, eine interessante und inspirierende Erfahrung. Sandra Terrode und Martina Corsten betreuen die Theater- und Literaturkurse am CMG. Sandra Terrode: „Unsere Schüler können in Kontakt treten mit dem modernen Tanztheater.“

Die anschließende Diskussion und der Workshop mit dem Schwerpunkt Partnering beim Tanz und Schauspiel waren ebenfalls ein voller Erfolg. Anna Zantis, Schülerin der Q1: „Wir haben zuerst die zentrale Bedeutung der Tücher erörtert, da das Publikum zu unterschiedlichen Interpretationen gelangte, zum Beispiel die Tücher als Symbol für die verschieden Rollen einer Frau oder für die von der Gesellschaft auferlegten Lasten.“ Außerdem habe das Verhältnis der beiden Figuren des Stückes für Diskussionspotenzial gesorgt.

Die Mehrheit der Schüler sei zu der Auffassung gelangt, so Anna Zantis, dass es sich um eine Mutter handle, die nicht damit zu recht komme, dass ihre Tochter erwachsen wird. Das Thema Freiheit wurde von den Schülern ebenfalls diskutiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Definition von Freiheit eine schwierige philosophische Frage sei. Es gehe darum, alles aus freiem Willen und ohne Zwang zu tun und sich selbst entfalten zu können, wie auch das Mädchen im Stück seine Identität gesucht habe. Aber gleichzeitig ende die eigene Freiheit da, wo die eines anderen beginne, sodass der Freiheit im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenlebens Grenzen gesetzt werden müssten.

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